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Die europäische
Spinne des Jahres 2010
Die Gartenkreuzspinne
Araneus diadematus Clerck, 1758
Die Gartenkreuzspinne gehört zu der Familie der Radnetzspinnen (Araneidae),
die weltweit mit knapp 3.000 Arten, in Mitteleuropa mit ungefähr 50 Arten,
vertreten ist.
Dazu zählen mittelgroße bis große Arten (Weibchen 10-18 mm, Männchen 5-9
mm) mit stark bestachelten Beinen. Die ortstreuen Spinnen bauen typische
Radnetze mit einer Klebfadenspirale als Fangfaden.
Weitere bekannte Vertreter sind die Vierfleck-Kreuzspinne (Araneus quadratus),
die Marmorierte Kreuzspinne (Araneus marmoreus) oder auch die Brückenkreuzspinne
(Larinioides sclopetarius).
Die Gartenkreuzspinne selbst weist immer die charakteristische namengebende
Kreuzzeichnung am Hinterleib auf. Dieses Muster setzt sich aus 5 weißen
Flecken (4 länglichen und 1 rundlichen, in der Mitte liegenden) zusammen
– teilweise mit fließenden Übergängen – und beruht auf dem Durchschimmern
oberflächennaher Ablagerungen von Guanin, einem Stoffwechsel-Endprodukt.
Meist findet sich auf dem Rücken des Hinterleibs auch noch eine mehr oder
weniger deutliche Blattzeichnung, die oft seitlich begrenzt ist. Der Hinterkörper
ist im vorderen Drittel am breitesten (dadurch erscheint der Vorderrand
etwas eckig) im Gegensatz zu ähnlichen Arten wie A. quadratus oder A. marmoreus
– hier ist die größte Breite ungefähr in der Mitte, wodurch der Vorderrand
rundlich erscheint.
Die Färbung selbst ist sehr variabel und reicht von gelblich über rötlich
bis hin zu mannigfaltigen Braun-Variationen. Das Männchen erreicht 5-10
mm, das Weibchen 12-17 mm Körperlänge.
Die Gartenkreuzspinne baut ihr großes kreisförmiges Radnetz meist in Bodennähe
oder an den unteren Zweigen von Bäumen und Sträuchern. Im Gegensatz zu anderen
Araneus-Arten hält sich A. diadematus tagsüber meist im Netzzentrum (unterhalb
der Nabe) auf. Ein Schlupfwinkel neben dem Netz fehlt im Allgemeinen, kann
aber gelegentlich auch vorhanden sein.
Radnetze stellen die bekannteste Form des Spinnennetzes dar. Vergleichsweise
wenig Spinnmaterial bildet eine große Fangfläche. Es benötigt nur wenige
Anheftungspunkte, ist aber fest und flexibel zugleich. Signale von einem
im Netz zappelnden Insekt werden auf direktem Weg zum Zentrum des Netzes
(oder aber zum Schlupfwinkel neben dem Netz, je nachdem wo die Spinne lauert)
übertragen. Durch die spezielle (geometrische) Anordnung der Spinnfäden
kann sich die Spinne orientieren und bewegen ohne mit den eigenen Fangfäden
in Berührung kommen zu müssen.
Auch wird das Netz regelmäßig erneuert, indem die Spinne das alte Netz einfach
auffrisst, um die wertvollen "Baustoffe" (Proteine) wieder zu verwerten!
Ein weiterer Spinnfadentyp wird zum Herstellen von Eikokons (zum Schutz
der Nachkommen) verwendet: Im September und Oktober stellt das Weibchen
an verborgenen Stellen mehrere Eikokons aus gelber Fadenwolle her. Die Jungen
verlassen diesen erst nach der Überwinterung und reifen bis zum Spätsommer
wieder zu erwachsenen Spinnen heran. Die Art erreicht in der Regel ein Alter
von zwei Jahren.
Die Gartenkreuzspinne besiedelt zahlreiche und verschiedenartige Lebensräume,
von Waldrändern über Wiesen bis hin zu unseren Gärten.
Damit sollte es nicht schwer fallen, sie bei einem gemütlichen Spaziergang
anzutreffen und das Netz – wahrlich ein Meisterwerk der Natur – zu bewundern.
Denken Sie auch daran, vor wie vielen lästigen Fliegen, Mücken und andere
Insekten uns dieses Netz bewahrt. Betrachten wir die Gartenkreuzspinne im
Speziellen, aber Spinnen allgemein als Nützlinge!
Christoph Hörweg
Naturhistorisches Museum
Wien
3. Zoologische Abteilung
Burgring 7, A-1010 Wien, Österreich
E-Mail: christoph.hoerweg
(at) nhm-wien.ac.at
Die Europäische Spinne des Jahres 2009
Die Dreiecksspinne
Hyptiotes paradoxus (C.L. Koch 1843)
Die Europäische Spinne des Jahres 2008
Die
Große Winkelspinne
Tegenaria atrica (C.L. Koch 1843)
Die Europäische Spinne des Jahres 2007
Die
Flussufer-Riesenwolfspinne
Arctosa cinerea (Fabricius, 1777)
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.aradet.de
www.arages.de
www.bionetworx.de
ARACHNE
Vereinszeitschrift der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft e.V.
Das Fachmagazin für Spinnentiere

Leseprobe
Sie umfasst ca. 50 Seiten und befasst sich mit Themen rund um Spinnentiere
- mit Ausnahme der Ordnung Acari (Milben) - wobei der Schwerpunkt bei den
Theraphosidae (Vogelspinnen) liegt.
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.dearge.de
www.dearge.de/Forum
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